Weiterbildung als zentrales Element

Weiterbildung als zentrales Element

Neues Wissen, neue Fähigkeiten, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt - die Ingenieurakademie will mit ihrem Angebot an Seminaren und Tagungen dazu beitragen, berufliche Herausforderungen zu meistern.


Ingenieurakademie West 1995

Seminar 1995

Brandschutz-Tagung 2018

Brandschutz-Tagung 2018

Am 22. Februar 1995 fand die Gründungsversammlung der Ingenieurakademie West e. V. statt. Wer hätte damals gedacht, dass die Ingenieurakademie zu den erfolgreichsten und nachhaltigsten Einrichtungen gehören wird, die die Ingenieurkammer-Bau NRW in den Jahren ihres Bestehens zum Wohle ihrer Mitglieder geschaffen hat?

Lebenslanges Lernen, Aus-, Fort- und Weiterbildung: Worte, die wir oft und mit Recht hören, denn unsere Welt wird immer komplexer und verändert sich ständig, im Beruflichen wie im Privaten. Das im Studium Gelernte reicht nicht aus, um in einem langen Berufsleben zu bestehen. Das waren die wesent­lichen Grundgedanken, die die neu gegründete Ingenieurkammer bereits in ihrem Gründungsjahr dazu bewog, die Organisation und Durchführung des Bildungsprogramms über eine eigenständige Ingenieurakademie durchzuführen. Diese Institution sollte mit wenig Aufwand anspruchsvolle und dabei preisgünstige Fortbildungsmöglichkeiten anbieten. Die Kammer sollte nicht nur ein Verwaltungs- und Berufsorgan sein, sondern für die Mitglieder einen greifbaren Mehrwert darstellen.

Erst zehn Jahre später, im Januar 2005, entstand auf Initiative der Landesregierung mit Einführung der Fort- und Weiterbildungsordnung der Ingenieurkammer-Bau NRW aus einem eher freiwilligen Fortbildungsangebot eine lebenslange Verpflichtung zur Fortbildung ihrer Mitglieder, wie sie auch in anderen freien Berufen üblich ist. Nur dadurch konnte sich die Selbstverwaltung der Ingenieure so gut etablieren, dass heute Staat und Bürger den Kammern absolutes Vertrauen schenken.

Allen voran hat Dipl.-Ing. Jochen Uhlenberg, der Gründungsvorsitzende der Ingenieurakademie West e. V., sein berufspolitisches Engagement voll und ganz der Innovationsfähigkeit des Bauingenieurberufs gewidmet.

Dass all diese Überlegungen richtig und damals der Zeit voraus waren, bestätigt sich immer wieder aufs Neue. So gab es in den vergangenen Jahren eigentlich nie eine Zeit, in der Angebot oder Nachfrage zurückgegangen wären.

Als Beispiel sei nur die Entwicklung der elektronischen Datenverarbeitung angeführt, die unser Berufsleben in den vergangenen Jahrzehnten erheb­lich verändert hat. Seither hat sie einen erheblichen Einfluss auf unser tägliches Arbeiten und wird ihn auch zukünftig haben. Nur wenige hatten im Studium Programmiererfahrungen oder den Umgang mit Software erlernen können und mussten erst im Laufe ihres Berufslebens durch autodidaktisches Lernen und durch Besuche von Workshops und Seminaren von altbewährten Methoden auf die neuen Verfahren umsteigen. Hier hat die Akademie wirksam geholfen.

Die EDV nimmt uns nun viel Routinearbeit ab und schafft Zeit für Kreatives. So sind seither zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten an den Hochschulen entstanden und haben nicht nur den Stand der Wissenschaft, sondern auch den Stand der Technik verändert. Sie haben Eingang in unsere Normen und Vorschriften gefunden und müssen heute im Alltagsgeschäft beachtet werden. Neue Baustoffe und Bauprodukte sind auf den Markt gekommen, und die Schwerpunkte beim Bauen haben sich von Tragwerksplanung und Wärmeschutz zu Brandschutz, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit verschoben.

Zu einer „never ending story“ entwickelte sich die Einführung der Eurocodes bei der Tragwerksplanung, die leider viel zu früh angekün­digt und dann immer wieder verschoben wurde. Aber das Warten hat sich gelohnt und das Gefühl, dass in ganz Europa jetzt mit den gleichen theoretischen Grundlagen – beruhend auf einem proba­bilistisch abgesicherten Teilsicherheitskonzept – gearbeitet wird, ist sehr befriedigend. Für die Ingenieurakademie waren die Eurocode-Seminare über viele Jahre der absolute Renner.

Im Bereich Schall- und Wärmeschutz und später der Energieeffizienz von Gebäuden war die Ingenieurakademie von Anfang an aktiv. Mit der politisch wachsenden Bedeutung und der Einführung der Wärmeschutzverordnungen sowie der darauf folgenden Energieeinsparverordnung (EnEV) entstand ein ständiger Schulungsbedarf, der mit der Ernennung von staatlich anerkann­ten Sachverständigen für Schall- und Wärme­schutz und von Energie-Effizienz-Experten bei der DENA, der Deutschen Energie-Agentur, einen vorläufigen Schlusspunkt fand.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die in NRW politisch gewollte und per Landesbauordnung 1995 amtlich gewordene Einführung der privatrechtlich tätigen staatlich anerkannten Sachverständigen. Während die Überführung des hoheitlich tätigen Prüfingenieurs für Bautechnik weniger inhaltlicher, sondern eher formaler Natur war, standen die neu etablierten Sachverständigen im Bereich Brandschutz schnell vor erheblichen fachlichen Problemen.

Nach dem Flughafenbrand in Düsseldorf im Jahre 1996 wurde nämlich ein Mangel an den bestehenden Brandschutzvorschriften offenbar: Es gab keine verbindliche Dokumentation über den Brandschutz. Umgehend wurde beschlossen, Brandschutzkonzepte analog zu den Standsicherheitsnachweisen als Bestandteil der Bauvorlagen zu fordern und – weil es um Leib und Leben geht – auch eine Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip einzuführen. Die Vermittlung des hierfür erforderlichen Fachwissens wurde mit großem Erfolg durch die Schulungsmöglichkeiten der Ingenieurakademie unterstützt. Bis in die Gegenwart ist der Brandschutz ein Thema geblieben, wie der große Zuspruch bei der jährlich im Kongresszentrum Düsseldorf stattfindenden Brandschutz-Tagung immer wieder verdeutlicht.

Auch bauphysikalische Themen werden in den Seminaren der Ingenieurakademie behandelt, unter anderem in unseren Bauphysik-Tagungen.

Seit 2020 sollen alle öffentlichen Bauten und Brücken mit BIM – Building Information Modeling –, der Planung und Berechnung von baulichen Anlagen in räumlichen Gebäudemodellen geplant und ausgeführt werden. Hier bieten sich neue Chancen, die Fachdisziplinen Tragwerksplanung, Brandschutz und Bauphysik besser aufeinander abzustimmen und an den Gebäudeentwurf der Architekten anzupassen. In Verbindung mit BIM wird es möglich sein, sämtliche für den Energieverbrauch relevanten Daten aus dem digitalen Gebäudemodell zu entnehmen, sodass nur noch die Orientierung und der Standort des Gebäudes zu definieren sind. Und auch im statisch-konstruktiven Brandschutz sind zukünftig rechnerunterstützte Nachweise möglich, um Bauteile so zu dimensionieren, dass sie bei einem Brand nicht versagen und zügig saniert werden können. Letzteres muss angesichts unserer fragilen Infrastruktur oberstes Ziel bei Brücken- und Tunnelbauwerken sein.

Im Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung wird die Ingenieurakademie zukünftig zusätzlich computergestützte Workshops anbieten, da sich auch die Möglichkeiten der Softwareprodukte rasant verändern und ihre Nutzung kontinuierlich geschult werden muss. Insofern wird dieser Schritt zu mehr Digitalisierung und damit zwangsläufig zu mehr Automatisierung die Welt der Ingenieure erneut drastisch verändern, ohne dass damit ihr Wissen und Können vollständig überflüssig werden - ganz im Gegenteil. Die Gefahr, dass sich Fehler einschleichen, wird sogar größer und ihr muss mit neuen, eher überschlä­gigen Kontrollmechanismen auf der Basis klassi­scher Rechenverfahren begegnet werden. Dies zu schulen wird die Ingenieurakademie auch zukünftig bereitstehen.

Der Stand der Technik ist immer ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit aus den verschiedenen Blickwinkeln der Verbraucher, Wirtschaft, Gesetzgeber und Wissenschaft.

Die Ingenieurakademie ist bestrebt, sämtliche Aspekte zusammenzuführen. Dazu finden jährlich etwa 150 Seminare, mehrere Tagungen sowie verschiedene Workshops mit insgesamt mehr als 5.000 Teilnehmern statt.

Die Akademie ist 2019 von einem eingetragenen Verein in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung überführt worden, damit sie den immer komplexer werdenden rechtlichen Rahmenbedingungen wie Arbeitsschutz, Steuerrecht und Datenschutz besser gerecht werden kann. Diese ebenso wie die - nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie bedingten - inhaltlichen Herausforderungen im Blick zu halten und zu forcieren, ist das erklärte Ziel des neuen Geschäftsführers Dipl.-Kfm. Eric Hausherr. Kurz gesagt: „Die Akademie stellt sich mit Überzeugung und Begeisterung den digitalen Herausforderungen und orientiert sich dabei mit oberster Priorität an den sich wandelnden Lernbedürfnissen unserer Mitglieder.“

Der Erfolg der Ingenieurakademie gründet sich auf: Breite und Aktualität der Themen, Qualität der Referenten, mitgliederfreundliche Teilnahmegebühren, das ehrenamtliche Engagement der Vorstände und nicht zuletzt den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäftsstellen der Akademie und der Kammer. Der Vorstand der Akademie ist davon überzeugt, dass die Akademie in den vergangenen Jahrzehnten alles getan hat, um das hohe fachliche Niveau der Kammermitglieder zu halten und damit die Qualität unserer Bauwerke und das Ansehen unseres Berufsstandes weiter zu verbessern.